Montag, 24. Oktober 2011

08.10.2011


Für diesen Tag war eigentlich ein Ausflug zu Wasserfällen in der weiteren Umgebung Sarajevos geplant. Uns war schon gesagt worden, dass dies ein wundervoller Ort und ein Besuch wert sei.
Nur spielte leider das Wetter nicht mit. Viel Regen, Wind und Sturm zwangen uns dazu, in der Schule zu bleiben.
Natürlich hatten Lucija und Silke ein Ersatzprogramm vorbereitet. Es sollte eine leicht veränderte Form vom „Supertalent“ stattfindet. Eingeteilt in drei Tiergruppen machten wir uns dann an die Vorbereitung des Abends. Dafür sollten wir unsere Gruppe vorstellen, also wer wir genau sind, was unser Talent ist, und dieses dann auch unter Beweis stellen, und dazu eine Art Logo oder Flagge präsentieren.
Meine Gruppe war die der Hunde. Und so ließen wir uns davon und von einer Packung „Airwaves“ inspirieren und nannten uns kurzerhand „Airwuffs“. Zu meiner Gruppe muss ich sagen, dass diese aus echt kreativen und leicht verrückten Leuten bestand. So lässt sich wahrscheinlich auch unser Name und all das erklären, was wir für den Abend planten. Es sollte einfach lustig sein und die anderen unterhalten. Eine Aufgabe von Lucija und Silke war gewesen, dass jeder Gruppenteilnehmer bei der jeweiligen endgültigen Aufführung in der ihm jeweils fremden Sprache mindestens einen Satz sagt. So bauten wir in unser Konzept dann typische deutsche und lustige Namen oder Redewendungen ein („Hallo, ich bin Walter, ein deutscher Schäferhund. Und wer bist du?“, das sagte dann z.B. Mario, ein Bosnier. „Oh, ist dein Vater ein Terrorist? Denn du bist so scharf wie eine Bombe!“, auch das sagte er dann. Und zwar zum Hund „Ulla“, gespielt von einer Bosnierin, die ein Kopftuch trug). Das alles mag sich vielleicht nicht unbedingt sehr lustig anhören, aber mit meiner Gruppe, die ja aus zwei Nationen bestand, war es einfach unglaublich lustig. Es liefen viele Tränen und der Bauch tat vom Lachen weh.
Für die Aufführung am Abend hatten Ivana („Ulla“) und ich („Fikreta“, ein typisch bosnischer Name) uns fest vorgenommen, nicht zu lachen. „Wir schaffen das!“. So war es dann aber leider nicht. Ich werde mich mal umhören, ob jemand die Szene gefilmt hat und vielleicht kann ich es ja hier online stellen.
Ein toller Abend, der dann mit der Ehrung der neuen „Superstars“ (das war die Gruppe, in der Lotte war. Sie hatten einen kurzen Film über sich gedreht und anschließend eine Tanz- und Singperformance aufführten), dem Abendessen und einer Evaluierung abgeschlossen wurde.

07.10.2011


Der Tag startete, wir nun jeder Tag starten würde: Eine Viertelstunde vor dem Frühstück stand das freiwillige Gebet im Gruppenraum an. Wir sangen zwei Lieder (normalerweise eines auf Kroatisch, das andere auf Deutsch) und dazwischen war die Möglichkeit für Fürbitten.
Nach dem Frühstück trafen wir in der Kathedrale den dortigen Priester. Er erzählte uns über die Anfänge, den Bau und die Geschichte der Baute und über die Katholiken.
Der zweite Programmpunkt war die Synagoge. Um sie besichtigen zu können, bekamen die Jungs diese kleinen Hütchen auf den Hinterkopf gesetzt.
Der Innenraum der Synagoge gefiel mir sehr gut. Und auch der Mann dort konnte sehr gut Englisch sprechen. Er zeigte und erklärte uns wichtige Utensilien und Gegenstände des Raumes und einer Messfeier. Natürlich auch etwas über die Geschichte der Juden in Sarajevo.
Abschließend besuchten wir die große Moschee. Dort waren es dann nicht die Jungs, die sich äußerlich verändern mussten, sondern wir Mädchen. Die mitgebrachten Tücher wickelten wir uns um die Köpfe und dann ging es herein.
Erklärt bekamen wir alles von einem jungen Mann im Anzug. Höhepunkt der kleinen Führung war, als es um die Platzordnung in Moscheen ging: Die Männer beten ganz vorne, dahinter halten sich die Frauen auf. Wir fragten, warum das so sei, und der junge Moslem antwortete, dass dies so sei, weil sich die Männer mit einer Frau im Blickfeld nicht mehr auf das Beten konzentrieren könnten. Ivana fragte, warum es denn dann für Frauen möglich sei, mit einem Mann vor sich zu beten. Schließlich hätten Frauen ja auch Gefühle und würden die Augen nicht zu machen. Nun, das sei möglich, so der Moslem, weil Frauen einfach nicht so starke Gefühle wie Männer hätten. Natürlich könne man nicht bestreiten, dass Frauen Gefühle hätten, aber für sie sei es leichter, denn sie würden nicht so intensiv fühlen.
Innerlich kochte es in mir! Ich hasse, hasse, hasse diese Diskriminierung! Die alleine macht mich schon rasend. Aber was mich noch wütender macht, sind diese Erklärungen, die dann abgegeben werden. Dass alles schöngeredet wird und Kritik mit diesen bescheuerten Selbstverständlichkeiten zu ersticken versucht wird.
An Ivanas Blick sah ich, dass auch sie nicht sehr begeistert war. Am liebsten hätte ich laut geschrien. So war ich froh, endlich wieder an der frischen Luft zu sein und mich mit den anderen darüber unterhalten zu können.
Dann stand circa eine Stunde Freizeit an, in der ich das erste Mal in diesem Jahr Cevapi aß (besser bekannt als Cevapcici).
In der nächsten halben Stunde wurde ich wieder ein bisschen traurig, denn mir wurde mal wieder meine Schusseligkeit bewusst. Ich hatte ja mein Monatsticket verloren, und das hätte ich gebrauchen können. Wir fuhren nämlich zusammen in den Quellpark Vrelo Bosne. Dort war ich auch schon 2009 gewesen. Ich hatte es ganz schön in Erinnerung, war aber nicht etwas, über das ich vor Freitag gesagt hätte  „Wow, das wird sooooooo toll dort!“
An der Endstation der Tram stiegen wir aus und der Fußmarsch zum Park begann. Zunächst durch ein Viertel mit vielen Cafés, Buden und kleinen Kneipen. Dort waren viele Menschen unterwegs, es gab eine Schule und Einkaufmöglichkeiten. Wir überquerten den Fluss und sahen und rochen das Resultat der fehlenden Umweltpolitik Bosniens. Ein sehr ekelhafter Geruch stieg vom Wasser hoch zur Brücke. Unfassbar viel Abfall, Müll und Unrat schwamm im Strom des Flusses mit und säumte seine Ufer. Ein Zufluss auf der linken Seite sah sehr unnatürlich und verdreckt aus; dunkelgrüne Wasser, das nahezu gar nicht in Bewegung war. Wahrscheinlich chemische Abflüsse.
Am anderen Ufer offenbarte sich uns ein ganz anderes Bild. Ein Weg führte durch Grünflächen hindurch, Bäume und Gebüsche auf den Wiesen. In der Ferne ragten prächtige und gepflegte Gebäude empor. Unter anderem ein Hotel, wie wir bald sahen. Blumenbeete in sämtlichen Formen und Farben, ein Springbrunnen.
Der Weg ging dann bald eine Allee über. Bäume im braun-orangenen Kleid säumten den Weg; ihre Blätter und Kastanien lagen verstreut herum.
Diese Atmosphäre hat mir so sehr gefallen. Alles wirkte so friedlich, man konnte die Natur so stark fühlen. An der Allee hatten sich auch Menschen angesiedelt. Ihre Häuser wirkten nicht nur gepflegt, ordentlich und schön, sondern sahen auch teuer aus. Einige waren protzig, anderen fand ich sehr schön.
Die Allee zog sich und zog sich; wir sahen gar kein Ende. Aber das brauchte ich auch nicht, denn mir gefiel dieser Fußmarsch. Endlich mal an sauberer, frischer Luft und endlich mal richtig Natur erleben in Sarajevo. Ein wenig hat mich das alles an Schweden erinnert. Ich liebe dieses Land einfach. Vielleicht ist es das Bullerbü-Syndrom, also vielleicht habe ich nur eine Idealvorstellung vor Augen, aber die Natur und alles dort oben gefallen mir sehr.
Nach Kastanienschießen und Schokoladeessen kamen wir am Park an. Er sah ziemlich verlassen aus; die einzigen Menschen, die wir sahen, waren Kutscher bei ihren Pferden und Kellner in einem Café, das wir bald drauf besuchten. Ich gönnte mir eine heiße Schokolade und die tat echt gut! Das schöne herbstliche Gefühl war komplett.
Bis auf zwei, drei war die ganze Gruppe versammelt. Wir quatschten und genossen unsere Getränke. Gegen Ende zog sich die deutsche Gruppe zurück, um den Deutschen Abend zu planen und anderes zu besprechen.
Für den Rückweg verteilten wir uns auf die Kutschen am Eingang des Parks. Ich saß mit einer Bosnierin und zwei Deutschen in einer. Die Fahrt war einfach genial. Wir hatten unglaublich viel Spaß und lachten extrem viel. Ich glaube der Kutscher hat uns für verrückt erklärt ;-).
Ansonsten war der Abend nach dem Essen nicht spektakulär.

06.10.2011


Die letzten Reste und Kleinigkeiten wurden eingepackt, dann waren wir nach dem Frühstück bereit, um von Lucija abgeholt zu werden.
Dies geschah gegen 12 Uhr. Wir kletterten in den hellblauen Bulli, der von einem uns unbekannten jungen Mann gefahren wurde. Mario hieß er und konnte sehr gut Englisch und auch Deutsch sprechen.
Die deutsche Gruppe schien auf den ersten Blick sehr kunterbunt zu sein. Ich schoss Fotos, es wurden Schokobananen verteilt, einige umarmten sich, weil sie sich schon kannten.
Auch Lotte kannte schon ein Mädel; sie hatten sich auf dem ÖKT (ökumenischen Kirchentag) kennengelernt und erinnerten sich beide. Wie klein die Welt wirklich ist!
Am kath. Schulzentrum warteten die teilnehmenden bosnischen jungen Leute auf uns.
Nach der Zimmeraufteilung stand das Kennenlernen an. Und damit alle die Namen der anderen auf die Reihe kriegen, startete das Programm mit kleinen Aufwärm- und Namensspielchen. Eine Person startete, und sagte in Verbindung mit seinem Vornamen einen Gegenstand, der mit dem gleichen Buchstaben wie der Vorname anfing (Bei mir war da z.B. Lollipop). Dann suchte sich diese Person die nächste aus, und der musste dann die vorangegangenen Namen und dazugehörigen Begriffen aufsagen, bevor er seinen Namen hinzufügen konnte. Nach diesem Prinzip wurde das Spiel fortgesetzt.
Nach einem weiteren Spiel sollten dann die Regeln für die folgenden 10 Tage festgelegt werden. Dafür teilten wir uns in Gruppen ein, um die wichtigsten Themen abzudecken. Die anschließende Besprechung fand natürlich auf Englisch statt.
Gegen Ende der Runde stellte Lucija (sie ist ja unsere Ansprechperson und war auch bei den zehn  Tagen dabei) dann ein Spiel vor, das Lotte und mir schon von einem Vorbereitungsseminar bekannt war. Alle Namen waren auf kleine Zettel in Engelsform geschrieben worden, und von diesen musste jeder dann einen ziehen. In den nächsten Tagen würde man dann der Schutzengel für die gezogene Person sein. Das heißt, man tut dieser Person gute Dinge, zeigt, dass man sich für sie interessiert, schreibt nette Botschaften und ist halt einfach wie ein guter Engel. Damit die Botschaften garantiert bei der richtigen Person ankommen, bastelten wir später am Abend kleine Tüten, die wir an die Tür unseres Gruppenraumes hingen. So waren wir dann bereit, kleine Botschaften zu empfangen.
Ich hatte Aneta gezogen; ein bosnisches Mädel.
Das erste Mittagessen bekamen wir in den Essenräumen der Schule (sehr schöne Räume! Genau wie der Rest der Schule, die ein modernisiertes, echt schönes und ausgestattetes Gebäude ist). Anschließend ging es in die Stadt, wo Lucija die wichtigsten innerstädtischen Orte Sarajevos zeigte und erklärte.
Abends fanden wir uns in zwei Gruppen wieder und sollten durch die Innenstadt Sarajevos ziehen, um die ersten Eindrücke fotografisch festzuhalten. Für die fünf Fotos mussten wir uns dann jeweils einen uns wichtig erscheinenden Ort aussuchen und dafür sorgen, dass alle Gruppenmitglieder auf dem Foto abgebildet waren.
Abschluss fand der Tag im Brauhaus der Stadt. Dort trafen wir uns nach der Gruppenaufgabe und genossen das Sarajevsko Pivo. Beim Beisammensein hatte ich dann die Möglichkeit, einige der anderen jungen Leute ein wenig besser kennenzulernen.

Freitag, 21. Oktober 2011

05.10.2011 Mein erster Mitternachtskuchen stand an!


Glücklicherweise spielte Lotte am Abend des 04. mit und wanderte am Vorabend ihres Geburtstages gegen elf Uhr ins Bett, da sie müde war. Perfekt! Ich hätte mich natürlich gefreut, mit ihr rein zu feiern, aber so war die Situation sehr passend. Ich sagte ihr, ich wolle noch ein wenig Tagebuch schreiben. Fuhr also den Laptop hoch, schaute mir alle möglichen Bilder und schließlich das gespeicherte Kuchenrezept an, bis ich sicher war, dass sie eingeschlafen war. Es ging los. Die Zutaten hatte ich im Küchenschrank ganz unten versteckt, die Backutensilien kramte ich auch zusammen. Oh nein, ich hatte vollkommen vergessen, die am Nachmittag gekauften und im Schlafzimmer versteckten Zutaten in der Küche zu verstauen. Doch Lottes Schlaf war tief, und so schwang ich schon bald den Mixer. Mehl wurde abgewogen, Eier getrennt, Zitronenaroma nach Gefühl abgemessen, Milch erwärmt und, und, und. Gegen halb 2 war es vollbracht; der Kuchen war abgekühlt und ich gönnte mir endlich das Bett.
Dort blieb ich aber nicht lange, denn ich hatte vor, als Erste aufzustehen und alles vorzubereiten. Was ein schöner Frühstückstisch! Alles stand bereit und ich bat Lotte zu Tisch. Da guckte sie schon nicht schlecht. Einige Geschenke lagen zwischen den Lebensmitteln. Doch das Highlight war dann der Marmorkuchen. Die 1 und die 9 brannten wir geplant und auch Lottes Freude war wie erhofft groß. Damit hatte sie dann doch nicht gerechnet.
Die in glänzender Folie eingepackten Geschenke enthielten einige Überraschungen. Gitarrenutensilien, Denta-Stix (da sie seit unserer Ankunft den süßen Straßenhunden unseres Viertels etwas Gutes tun wollte)  Sauerkraut (eine Art Gag-Geschenk. Soll ihr symbolisch helfen, die sog. Sauerkrautzeit, die Deutsche bei einem langen Auslandsaufenthalt durchleben, zu überstehen. In dieser Zeit sieht man vieles der örtlichen Kultur als schlecht, und viel der eigenen Kultur als perfekt an) warteten auf Lotte.
Wir ließen uns das Frühstück schmecken und machten uns dann bald auf zum Jugendhaus. Ich konnte es kaum erwarten.
Lucija war wie zu erwarten eiskalt und fragte uns ab. Ob wir nicht in die kleine Küche gehen könnten,  fragte sie uns.
Dort saßen Mariana und Ivana, trällerten Happy Birthday auf Kroatisch und pusteten in kleine Trompeten aus Papier. Auf einer Sachertorte brannten kleine Kerzen.
Lottes Blick war göttlich. Sehr erstaunt, freudig und gleichzeitig ungläubig. Sie sagte die ganz Zeit „Oh, I hate you“, meinte es natürlich nicht so und freute sich ziemlich. Die Geschenke des Jugendhauses waren ein kroatisches Schlumpfbuch, ein T-Shirt und eine Spielesammlung. Von der Torte blieb dann ziemlich viel übrig, und so nahmen wir die Reste mit zum Waisenhaus.
Dort kamen wir pünktlich an, starteten, und alles lief, wie geplant. Die Torte stellten wir kalt, um sie dann nach allen Einheiten, kurz vor Feierabend herauszuholen und um mit den Kindern anzuschneiden. Wie sehr sich alle freuten! So bekam Lotte dann noch ein zweites kroatisches Geburtstagsständchen. Anschließend wollten die Kinder noch ein hier bekanntes Spiel spielen, wofür alle im Kreis stehen, die Hände auf die der Nachbarn legen. Es wird ein Lied gesungen und mit der rechten Hand wird der Reihe nach immer auf die Hand des Nachbarn geklatscht. Dieser „Klatscher“ wird also immer weitergegeben. So lang, bis das Lied zu Ende ist. Beim letzten Ton muss der Schlagende versuchen, die Hand des Nachbarn zu treffen. Dieser versucht dann natürlich, die eigene Hand wegzuziehen. Schafft er es nicht rechtzeitig, ist er ausgeschieden.
Ich muss sagen, das hat ziemlich Spaß gemacht mit den Kindern.
Nachdem die Torte dann vernichtet war, machten Lotte und ich uns wieder auf den Weg. Koffer packen stand an, denn am Donnerstag würde die deutsche Gruppe ankommen.

Sonntag, 16. Oktober 2011

04.10.2011

Wie jeden Morgen bereitete ich das Frühstück. Dabei offenbarte mir der Küchenschrank eine tolle Wahrheit: Auf seinem untersten Brett fristet eine Waage ihr Dasein! Die wird mir gleich beim Backen des Geburtstags-Kuchen helfen. 
Komischerweise war Lucija dann im Jugendhaus anwesend. Denn eigentlich war unser Plan gewesen, dass sie unser Treffen morgens absagt, weil sie leider „krank“ geworden ist. (Dazu muss  gesagt werde, dass Lotte morgen Geburtstag hat. Natürlich möchte Lucija ihr auch eine Freude machen uns sie Best möglichst überraschen. Dafür hat sie mich mit einbezogen und um meine Hilfe gebeten. Wichtig war es dann, dass Lotte und ich morgen am Mittwoch unter einem Vorwand ins Jugendhaus kommen, damit Lotte überrascht werden kann.)
So redeten wir wie jede Woche. Gegen Ende der Runde offenbarte sich dann der Plan: Da wir unsere zehn Wörter und fünf Verben nicht dabei hatten möchte sie uns morgen um neun im Jugendhaus sehen. Mit insgesamt 15 Wörtern und 10 Verben. Das war keine tolle Info für Lotte. Lucija setzte noch einen drauf und meinte, dass die Bosnier dem Geburtstag einfach nicht so viel Beachtung schenken und der für sie nicht wichtig ist. „But for me…“, so Lotte ganz traurig. Ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen und gelacht, aber das ging ja schlecht.
Wir bereiteten dann noch die erste Deutschstunde vor, die wir ja am Abend geben würden. Sanja hatte uns dafür eine Mail mit ihren Unterrichtsmaterialien geschickt. So konnten wir dann einen kleinen Test vorbereiten, der uns offenbaren soll, wie viel Deutsch die einzelnen Kinder schon beherrschen. Der Drucker und Kopierer unterstützten uns, und so hatten wir die 30 Exemplare bald in unseren Kladden.
Nach Feierabend auf dem Weg zu einem Café mit W-Lan kündigte meine Schulter sehr bald durch Schmerzen an, dass es sie auch ein Wörtchen mitzureden hat. Der auf Dauer nicht allzu leichte Laptop in meiner grünen Ampelmännchentasche schien ihr nicht zu gefallen. Aber das war mir egal. Denn grade erwähnter ermöglichte mir heute, meinen Freund  bei skype zu sehen J
Lotte ist dann bald in Richtung Dobrinja gefahren, um unter anderem schon einmal einzukaufen. Sehr gut! Denn so würde ich die restlichen Sachen für ihren Geburtstag kaufen können.
Ich besorgte eine Geburtstagskarte, zwei Kerzen (eine 1 und eine 9), Sahne und kurz vorm Bezahlen fielen mir „denta-stix“ für Hunde ins Auge. Die musste auch mit! Denn Lotte sagt schon die ganze Zeit, dass sie die den süßen Straßenhunden hier geben will.
In Dobrinja ging es dann noch in den dm. Hauptsächlich um die Geschenke einzupacken. Bei den Bio-Sachen fand ich dann aber noch Sauerkraut. Das würde das perfekte Gag-Geschenk sein! Damit Lotte die sog. Sauerkrautphase gut übersteht J (eine Phase, die Deutsche bei einem langen Auslandsaufenthalt oft durchmachen. Dann sieht man alles heimatliche als toll und gut, alles Fremde als eher schlecht an). Bezahlt, und dann zum Geschenkpapiertisch. Mann, war das peinlich! Die Frau wollte mir erst helfen, ich sagte „Ne, ne, hvala!“ Denn ich wollte die Sachen unbedingt selber einpacken. Wer würde schon verstehen, warum ich Sauerkraut, „denta-stix“ und Gitarren-Sachen einpacke? Echt peinlich war das. Aber das war es mir wert.
Zusammen ruhten wir uns dann noch aus, bis wir uns auf den Weg zur ersten Deutschkursstunde machten. Dafür trafen wir Lucija an einer Trolejbusstation.
Die Deutschstunde wurde dann ganz gut. Den Kurs halten wir  in einer kath. Gemeinde in Stub, einem nahegelegenen Stadtteil. Ziemlich viele Kinder! Sie kamen mir alle ganz nett und vor allem interessiert vor.
Für Lotte und mich war es schwer, zu entscheiden, was wir tun könnten. Doch Lucija stand uns bei Seite und den Großteil der ersten Stunde gestaltete sie. Ich glaube, der Kurs wird anstrengend, aber auch Spaß machen. Wir werden uns immer sehr gut vorbereiten müssen.
Abschluss war dann ein Spiel, welches Lucija kannte und mit den Kindern spielte. Sehr lustig ;-)
Später werde ich irgendwann Lottes Kuchen backen. Mal sehen, wie das wird. Ich hoffe, sie wird sich freuen :)

03.10.2011, über den 01., 02. und 03.10.2011



01.10.2011
An diesem Tag würden wir uns ja mit anderen Freiwilligen treffen. Lucija hatte auch etwas von anderen Deutschen erzählt. Also waren wir echt gespannt!
Von einer Bushaltestelle abgeholt, stiegen wird dann mit zwei Mitarbeiterinnen vor einem modernen Gebäude aus, über das ein Schild informierte, dass es mit Studenten zu tun hat.
Im Eingangsbereich standen viele Jugendliche wartend herum; hauptsächlich um einen Tisch, wo Namensschilder abgeholt werden konnten. Da wir die Wörter „andere deutsche Freiwillige“ noch im Hinterkopf hatten, hielten wir Ausschau. Doch bald merkten wir: hier sieht niemand wirklich deutsch aus.
In dem hallenartigen Raum des Gebäudes gab es Cocktailempfang. Wie wir dann herausfanden, war der Anlass dazu die Jubiläumsfeier der Freiwilligenorganisation „nakone“. Diese hat eine enge Verbundenheit mit einer schweizerischen Gemeinde inne, was heißt, dass im Sommer 4-wöchige Camps in Bosnien stattfinden. Dabei, so kann man sagen, wird das öffentliche Bild einer Stadt verschönert. Also werden zum Beispiel Parks farbig gestaltet, selbst gebaute, bunte Bänke werden dort aufgestellt, Kindergärten bzw. deren Wände werden bemalt. Dies sahen wir in einem Film über die Organisation. Denn nach dem Cocktailempfang waren wir in einen Saal (sehr modern und gut ausgestattet; einem Kinosaal ähnlich) geführt worden. Dort führten die Kinder und Jugendlichen des Vereins kleine Theaterstücke auf; manches verstanden wir oder konnten wir erahnen. Aber halt auch nur manches. Die einzigen Worte, die wir komplett verstanden, waren die eines Schweizers. Er hielt auf der Bühne eine kleine Rede und schien der schweizerische Partner der Organisation zu sein.
So gegen 13:45 Uhr ging es dann wieder raus an die frische Luft. Wir verabschiedeten uns und gestalteten den weiteren Tag in unserem Stadtviertel bzw. unserer Wohnung.
02.10.2011
An diesem Tag waren wir extrem fleißig! Und zwar, als ich anfing das Wohnzimmer aufzuräumen und zu putzen. Denn bald wurde auch Lotte aktiv; wir räumten unsere Sachen aus den Taschen und Koffern. Rein in den Schrank, die Koffer konnten verstaut werden. Insgesamt haben wir das Schlafzimmer total aufgeräumt, gesäubert und echt schön gestaltet.
Wir waren baff! Das Zimmer konnten wir nicht mehr wiedererkennen und das erste Mal war es möglich, durch den Raum hindurch zu laufen. Wir waren ein wenig stolz auf uns und freuten uns, ein Zimmer zu haben, den wir mit einigen persönlichen Gegenständen ausgeschmückt haben.
Dann war noch das Bad dran, und später haben wir uns richtig wohlgefühlt.
Gegen Abend besuchten wir dann wieder unser Stamm-Internetcafé.


03.10.2011
Heute ging es wie jeden Montag zu Egipat.
Leider nicht pünktlich, wie so oft in der letzten Zeit. Denn zwei Stationen vor Skenderija und circa fünf Stationen vor unserer letzten Station, fuhr der Trolejbus einfach nicht weiter. Wir blieben erst sitzen und warteten, dann machten wir es den anderen Leuten nach und stiegen aus. Sofort dachte ich „Oh nein, die Fahrer streiken schon wieder“, und wir stellten uns schon einmal auf eine Taxifahrt ein. Auf dem Fußweg zu Skenderija überhole uns dann aber der Bus. Das hieß: Zu Egipat würden wir auch im Bus kommen können.
Das Besondere heute war, das wir zum ersten Mal mehr auf Kroatisch redeten, als sonst. Das taten wir vor allem, als die letzten beiden Kinder fertig waren. Sie hatten wohl bemerkt, dass wir ein paar Sätze können und so fingen sie an, uns auszufragen. Unsere Aussprache schienen sie wohl ganz lustig und süß zu finden. Wir verstanden dann doch mehr als gedacht, und es hat echt Spaß gemacht, uns ein wenig mit den Kindern unterhalten zu können und vor allem ihnen zu zeigen, dass wir ein ganz klein bisschen, also echt wenig, ihrer Muttersprache beherrschen. Etwas sehr Schönes war das heute.
Später dann der wöchentliche Sprachkurs. Wenn unsere Lehrerin uns Fragen stellt oder längere Sätze zu uns spricht, habe ich oft Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Also die Wörter zu erkennen und dann der richtigen deutschen Übersetzung zuzuweisen.