Montag, 28. November 2011

17.10.2011


Der erste Tag der Woche sollte wie immer ablaufen: wir würden zu Egipat fahren und abends den Sprachkurs haben.
Allerdings führt uns der Hinweg noch zum Jugendhaus, da Lucija uns mitteilte, das dort Post auf uns warten würde.
In der unteren Etage des Jugendhauses wartete dann mein Busticket auf mich (das hatte ich ja verloren)! In der Woche zuvor hatte Lucija mir schon gesagt, dass jemand es gefunden und abgegeben habe. Als ich es dann in der Hand hielt, war das echt ein tolles Gefühl. Denn damit hatte ich echt nicht mehr gerechnet. Vor allem nicht hier in Bosnien ;-)
Da für Lotte, bedingt durch ihren Geburtstag, ein Paket bei der Post angekommen war, machten wir uns mit zwei Jugendhausmitarbeitern im Bulli auf den Weg.
Überhaupt nicht kompliziert so ein Paket abzuholen! Erst zu einem Schalter, irgendetwas klären, dann durch einen Nebeneingang zu einem anderen Schalter das Abholen bezahlen und letztendlich etwas unterschreiben, bis man am anderen Schalter das gute Stück in Händen hält.
Lotte hatte Zeit, alles anzuschauen und zu lesen, da wir im Bulli netterweise rauf zu Egipat gebracht wurden.
Zu dieser Zeit begann der normale Ablauf eines Montags.
Nach einem anstrengenden Tag im Waisenhaus (denn ich musste unter Zeitdruck den letzten Kindern alleine helfen) und dem Kroatischsprachkurs, näherte sich der Höhepunkt des Tages. Er kam mit jeder Stufe der langen Treppe hinunter zur Stadt näher. Jeder Schritt brachte uns näher zu ihm. Letztendlich trennte uns nur noch eine stabile Eingangstür.
„I would like to put money on my sim-card…yes…ehm, 15 KM…no, I can do it. Thank you. …And I have another question. I would like to use mobile internet and especially 0.facebok.com. But right now it doesn’t work, because I need the dates. Maybe you could help me?”
Und die nette Frau wollte. Und konnte! Es dauerte zwar ein wenig, aber das war es mir wert!
Lotte und ich hatten eine Filiale unseres bosnischen Handyanbieters aufgesucht und saßen während des Wartens auf einem rechteckigen Sitz. Neben dem Schalter der Frau hatte ein Mann seinen Arbeitsplatz. Zunächst bediente er einen Kunden, dann hatte er nichts zu tun. Und das war der Moment, als er uns ansprach.
„I am sorry. Are you from Germany? Are you the two volunteers?
Wir waren ein wenig baff. Wie konnte er das wissen? Und wenn er uns meinte, was für ein Wunder!!!
Ja, er meinte uns. Denn er erwähnte Simo. Sagte, dass er ihn schon lange und gut kenne, und dann und wann im Jugendhaus helfe. Deshalb würden wir uns dann am kommenden Samstag auch sehen, wenn der Grundstein für den Neubau gelegt wird. Außerdem quatschten wir über unsere Arbeit hier, also über Egipat und Mjedeniza (die Behindertenschule) und über unsere Heimat. Er sagte, er sei beinah schon überall in NRW gewesen. In Kamen zwar noch nicht, gehört habe er aber schon davon.
Was ein tolles Erlebnis!          
Draußen in der kalten Luft Sarajevos machten wir uns dann den Weg zum Internetcafé. Auf dem Weg dorthin spielte ich ein wenig an meinem Handy herum, bis Lotte ebenfalls auf ihr Handy schaute. Und sah, dass dort einige Anrufe in Abwesenheit verzeichnet waren. Die Nummer konnte nur zu einem Gerät gehören: dem der Eronet-Angestellten. Denn sie hatte Lottes Nummer vorher im Laden gebraucht, um die facebook-Sache für sie zu regeln.
Es fiel Lotte wie Schuppen von den Augen. Ihr Paket! Oh nein. Ich bot ihr an, mich auf den Weg zu machen.
Lena und ihr Gedächtnis. Ich bog in eine Straße ein, und war mir gar nicht sicher, den Eronet-Laden zu finden. Doch dann erstrahlte das Rot seiner Schilder vor mir und ich betrat den mollig warmen Raum erneut.
Die beiden Verkäufer erwarteten mich schon grinsend. Das Paket hatten sie an die Seite auf eine Ablage gestellt. „Right now I was writing a message to her and I wanted to send it to her in these minutes!” Er war einfach so nett und freundlich. Ich bedankte mich sehr, sehr oft, auch in Lottes Namen.

16.10.2011

Das war der Tag des Ausruhens. So hatten wir es geplant. Denn der Trip mit den Deutschen und Bosniern war nicht gut und interessant, sondern auch anstrengend gewesen.
Also hatten wir einen chilligen Tag geplant, und da wir eifrige Deutsche sind, haben wir unseren Plan auch in die Tat umgesetzt ;-)

27.11.2011, über die Zeit vom 11.10.2011 – 15.10.2011


Oh je, oh je. So lange liegt die Zeit mit der bosnisch-deutschen Gruppe schon zurück. 1,5 Monate! Ziemlich lange. Und leider ist meine Erinnerung an diese Zeit auch nicht mehr die allerstärkste…
So werde ich einfach eine kleine Zusammenfassung der Gruppentage schreiben, während die anschließenden Tage (im Alltag) wieder, wie immer, veränderte Einträge meines Tagebuches sind, um dann bald wieder im Jetzt anzukommen und meinem Blog wieder Leben einzuhauchen.

Der zweite Tag in Travnik.

Wenn ich mir die Tabelle mit dem Programm der zehn Tage durchlese, bei diesem Tag hängen bleibe und mich erinnere, kommen mit Abstand die bedrückendsten Erinnerungen hoch.
Zunächst stiegen alle in den Reisebus, der uns zu einem abgelegenen Kloster brachte. Ich meine mich zu erinnern, dass dort Franziskanermönche leben.
Einer von diesen führte uns in der Kirche des Klosters zunächst in die Geschichte und die Vergangenheit dieses Ortes ein. Er erzählte unglaublich viel.
Etwas bildlicher und greifbarer wurde es dann auf den Gängen des Klostergebäudes. Wow, so viele Bilder außerhalb eines Museums hatte ich noch nie gesehen. Ein leerer, weißer Fleck an den Wänden war dort praktisch eine Ausnahme.
Viele verschiedene Werke schauten wir uns an. Abstrakte, einfache, verwirrende, klare, große, kleine; eine echt große Bandbreite. Obwohl ich ein wenig überfordert war und mich kaum auf einzelne konzentrieren konnte, sprangen mir doch ein paar ins Auge und gefielen mir sehr gut.
Da es draußen echt windig und regnerisch war, taten der warme Tee und der heiße Kaffee beim kleinen Imbiss anschließend sehr gut. Ein wenig durchatmen und ausruhen.
Bevor wir wieder in unseren Bus stiegen, schossen wir noch ein Gruppenfoto und nahmen den Mönch, der uns geführt hatte, natürlich in unsere Mitte.

Zu unserem nächsten Ziel brauchten wir nicht allzu lang. Dafür blieben wir umso länger dort. Grund dafür waren die dampfenden und duftenden Pizzen auf unseren Tischen, die nur für die Begegnung mit unseren Mündern gebacken worden waren. Mh, lecker! Und vor allem schmeckten die unglaublich großen Exemplare auch nach einer richtigen italienischen Pizza. Denn von süßer Tomatensoße und massig Ketchup keine Spur!
Wie unwichtig und nichtig so eine leckere Pizza aber sein kann, wurde mir sehr bald bewusst.
Von außen sah die Kirche modern und jung aus. Innen dann das gleiche Bild. Und Jugendarbeit sei ein großes Thema, wie der Pastor uns erzählte.
Doch bald wurde aus dem guten ein bedrückendes Gefuehl in der Magengegend.
Die Bänke im Innenraum waren etwas, was hatte nicht modernisiert werden sollen. Etwas, was den Gemeindemitgliedern wichtig gewesen war. Die Bänke sind eine Art von stummen Zeugen.
Und Zeugen, selbst wenn sie stumm sind, vernichtet man nicht. Sie sind wichtig. Auch wenn sie, und vielleicht gerade weil sie schlechte und schlimme Erinnerungen wecken können.
In Nova Billa sind das die Erinnerungen an eine schwarze Zeit. Die Gemeinde stand unter Beschuss, wie nahezu jede Siedlung im jetzigen Bosnien-Herzegowina. Granaten und Gewehrgeschosse pfiffen durch die Stadt. Zerstörten Häuser, Gebäude,  Behausungen, mühevoll Errichtetes, Lebenswerke; und auch Familien.
Man kann sagen, die Bänke haben alles Leid aufgesaugt. Auf ihnen wurden die Verletzten verarztet, sie lagen auf ihnen, warteten auf ihnen, schliefen, durchstanden unglaubliche Schmerzen, weinten, starben, erholten sich, wurden gesund, litten.
Der Pastor sagte, man müsse sich die gesamte Kirche als ein großes, provisorisches Krankenhaus vorstellen. Hier hatten Ärzte und einfache, provisorische Instrumente und Utensilien Platz gefunden.
Zwischen den geraden, ordentlichen Reihen der Bänke, in dieser so modernen und nach außen hin strahlenden Kirche bedrückte mich das unglaublich. Meine Vorstellungskraft war irgendwie nicht ausreichend. Zu wissen, oder vielmehr zu ahnen, was auf demselben Fußboden, auf demselben Holz der Bänke vor ca. 15 Jahren geschehen war, das überforderte mich.
Das bedrückende Gefühl im Magen wurde in Räumen hinter der Kirche in Bilder gefasst.
Es fällt sehr schwer, das zu schreiben…
Wir sahen unglaubliches Leid. Körperliches und seelisches. Kinder, Frauen, Männer, alte Menschen, Neugeborene. Alle.
Es gab einige Bilder, die mich besonders intensiv bewegten.
Da sitzt eine Familie um einen geöffneten Sarg. Man kann erkennen, dass sie ein sehr junges Familienmitglied verloren haben. Den Ausdruck in ihren Augen und in ihren Gesichtern kann ich nicht beschreiben.
Da schaut dich ein Mädchen an. Klammert sich irgendwo fest. Man erkennt die Umrisse eines Bettes. Automatisch wandert dein Blick ihren Körper herab. Und du siehst, dass sie beide Beine verloren hat. Ihre Augen…

Während alle Gruppenteilnehmer an den Wänden hergingen, war es extrem still. Mir selber liefen still die Tränen herunter, einigen anderen auch.
Als ich mich im Besucherbuch für diese Ausstellung bedankte und schrieb, wie bemerkenswert und enorm wichtig ich sie finde, war das mein voller Ernst. So schlimm, und gleichzeitig so ungemein wichtig.

Anschließend erfuhren wir die Gastfreundlichkeit in Bosnien. Der Pastor lud uns praktisch in sein privates Wohnzimmer ein und servierte heißen Tee, alle möglichen Getränke, Snacks und Süßigkeiten.
Obwohl die Stimmung in der Gruppe gut war, viel gelacht und gescherzt wurde, hatte zumindest ich das Gefühl, dass das eine Art Schutzreaktion war. Schutz vor den schlimmen, gerade vorher gewonnenen Eindrücken. Bei mir was das zumindest so.
Während des Zusammensitzens wurde ein Thema besprochen, das schon beim Mittagessen im Mittelpunkt gestanden hatte: Für den nächsten Tag stand Wildwasserrafting auf dem Programmplan. Da hatte ich mich drauf gefreut! Etwas, was man wohl so schnell nicht noch einmal erleben konnte.
Leider war es nur so, dass die Verantwortlichen das Wetter als zu schlecht ansahen und die Anzahl der Kranken sollte nicht noch weiter steigen.
So begann dann eine hitzige Diskussion. Rafting? Oder der Alternativvorschlag Dubrovnik. Besagte Alternative hörte sich zunächst toll an. Die Stadt soll wunderschön und definitiv einen Besuch wert sein. Und auch hier: wann würde man wieder so eine Möglichkeit bekommen?
 Der Haken bei der Sache: die mindestens sechsstündige Fahrt. Das würde heißen, wir müssten gegen 7 Uhr in Travnik mit all unserem Gepäck aufbrechen (denn es wird der letzte Morgen dort sein) und dann bis zum frühen Nachmittag im Bus sitzen. Dann aus letzterem springen, uns in Eile die Stadt anschauen und dann am frühen Abend die Rückreise antreten, da wir ja auch nicht zu spät in Mostar (unserem nächsten Aufenthaltsort) ankommen dürften.
Das hatte ich im Hinterkopf, und da wir beim Rafting von Kopf bis Fuß in einen wasserdichten Neoprenanzug gekleidet sein würden, machten mir das Wetter und mögliche Gesundheitsgefährdungen auch keine Angst.
Die Mehrheit der Gruppe sah das aber anders. 

So musste ich mich dann wohl unterordnen, und stand am nächsten Morgen munter mit meinem Gepäck neben den anderen, um den Bus zu besteigen.
Bei den sechs Stunden blieb es dann nicht.
Dubrovnik erreichten wir gegen halb 3.
Und wirklich eine tolle Stadt! Die Fahrt durch Kroatien war ja schon schön gewesen; viele kleine Orte, malerisch und wunderschön am hellblauen Wasser gelegen. Aber Dubrovnik raubte einem praktisch den Atem.
Nach einer Stadtführung durch die engen Gassen und wichtige Gebäude, hatten wir anschließend Freizeit am kleinen Strand der Stadt. Es blieb natürlich Zeit, Souvenirs zu kaufen und weiter die Stadt zu erkunden.
Gegen Abend erreichte Dubrovnik dann noch einen höheren Wert auf der Schönheits-skala. Ein toller Sonnenuntergang und eine schöne Atmosphäre in der Stadt (unterhalb des Textes werde ich Fotos hochladen).
Bedingt durch eine Panne  und einem Nachtmahl in einem 4-Sterne-Hotel (ich weiß bis heute nicht, warum) kamen wir nach Mitternacht in Mostar an.
Eine kleine, schöne und gepflegte Pension erwartete uns dort. Meinen Koffer zog ich noch ins Zimmer zu Charlotte, dann ließ ich mich völlig fertig ins Bett fallen.
Ich kann es immer noch nicht glauben, wie sehr Fernsehen Sprachkenntnisse beeinflussen kann. Im positiven Sinne wohlgemerkt.

Es musste ein deutscher Student sein. Zwar hatte ich beim Frühstück herausgehört, dass der Freund einer bosnischen Teilnehmerin die Stadtführung machen würde, aber da musste ich etwas nicht verstanden haben. Da stand definitiv ein in Bosnien studierender Deutsche vor mir.
Nein, so war es aber nicht. Ein in Bosnien studierender Bosnier war es. Ein Jahr lang hatte er als 5-jähriger in Deutschland  verbracht.
Das würde erklären, warum man Grundkenntnisse der deutschen Sprache beherrscht.
Aber es würde noch nicht erklären, warum man völlig akzentfrei, wie ein Deutscher spricht, und dabei Fachausdrücke benutzt, die einigen Gruppenteilnehmern nicht einmal geläufig waren.
Das mache das Fernsehen, so unser Stadtführer. Er ist in Mostar geboren worden und aufgewachsen und weiß so viel über diese Stadt. So war die Führung definitiv nicht langweilig und keine Standard-Stadtführung.
Mit der Mehrzahl aller wichtigen Orte in Mostar bekannt, wurde die Gruppe dann getrennt, um in Kleingruppen ein Stadtspiel zu bewältigen. Dafür mussten Aufgaben erfüllt werden, wie z.B. das Ausdenken eines zweisprachigen Songtextes über Mostar und eine dazu passende Choreographie.
Ziemlich lustig das Ganze!
Die Ergebnisse der Songtext-aufgabe wurden dann beim Abendessen vorgestellt. Diese fand für unsere Zeit in Mostar in einem gemütlichen, kleinen Restaurant statt.

Zu einem Wallfahrtsort ging es am Freitag (14.10.). Medugorje ist über die Grenzen Bosniens bekannt und so reisen viele auch ausländische Besucher alljährlich dorthin.
Offiziell, also vom Vatikan als Wallfahrtsort anerkannt, ist Medugorje nicht. Im letzten Jahrhundert soll einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen die heilige Maria erschienen sein. Ort des Geschehens sei ein Berg, oberhalb der Gemeinde.
Und so bestiegen wir diesen nach Besichtigung der Kirche und der Anlage.
Das dauert ziemlich lange, anstelle eines erdigen Weges muss man ein Geflecht aus Steinen bewältigen.
Oben angekommen konnten wir dann aber eine lohnenswerte Aussicht genießen und an einem Denkmal zur Ruhe kommen.
Später besichtigten wir dann ein Ethno-Dorf; also eine Anlage, die die Lebensweise vor vielen Jahren hautnah zeigen soll. 
Beim Abendessen bekamen wir die bosnische Lebensweise ebenfalls hautnah mit. Denn im Kamin des Restaurants wurde für uns in einer feuerfesten Form eine typisches Gericht zubereitet. Es bestand aus Kartoffeln, Paprika und Fleisch und schmeckte echt gut!

Am Samstag, den 15.10. war die gemeinsame Zeit dann schon vorüber.
Nachdem wir wieder in Sarajevo angekommen waren, hieß es Abschied nehmen am Flughafen. Ich muss sagen, das viel mir schon ein wenig schwer. Einige deutsche Teilnehmer hatte ich gut kennengelernt und mich auch gut mit ihnen verstanden.

Samstag, 19. November 2011

bitte nicht boese sein...

Mein Titel kuendigt es an... ich habe ein etwas schlechtes Gewissen. Denn meinem Gefuehl nach, liegt der letzte Blogeintrag Jahr zurueck.
So moechte ich mich nun bei allen mit der Hufe scharrenden Lesern entschuldigen :)
Der Alltag ist oft so stressig und ohne grossen Pausen, dass ich meinem Drang zum Schreiben nicht mehr allzu oft nachkommen kann... Dazu kommen dann tolle Highlights, wie ein Wochenende mit angehenden Animateuren (zwei tolle Tage), Besuch aus Deutschland :))), oder einige Viren, die sich unerlaubt einfach bei mir eingenistet haben. (Jap, mir geht es wieder fast perfekt! Nachdem ich nach einigen Tagen mit Schmerzen beim Arzt war, und Auf-push-Mittel, wie eine Infusion, eine Penizillin-Spritze direkt in den Hintern und Pillen bekam, konnte ich neue Kraft tanken und die Schmerzen sind zu 99 % weg. Ich denke, Montag, spaetestens Dienstag, steht einem Comeback in den Alltag nichts mehr im Wege ;) )

So viel nun, ich werde mich jetzt durch den kalten Novemberwind auf zur Wohnung machen (BOOOOOOORUUUUUUUUSIAAAAAAAA gegen die Bayern - denn wir haben einen tollen Sportsender gefunden, der den BVB zu lieben scheint und jedes Spiel live uebertraegt :) ).

Sehr bald wird hier wieder etwas erscheinen - und dann auch ueber die vergangene Zeit, ueber die ich noch nichts berichtet habe,

kalte, aber im Innern warme Gruesse,

eure lena 

Dienstag, 25. Oktober 2011

bevor es sehr bald mit den fehlenden Tagen weitergeht, gibt es heute mal wieder bunte Pixel.
Ich hoffe, sie gefallen und zeigen ein wenig das, was ich, vor allem mit der bosnisch/deutschen Gruppe erlebt habe ;-)
"Hoffnung"

in der stari grad / Altstadt Sarajevos

die othodoxe Kirche

mein erstes Mal Cevapi in diesem Jahr

eines der Foto mit meiner Gruppe am ersten Abend

Lotte und ich

der Blick von der kath. Schule aus

Montag, 24. Oktober 2011

10.10.2011


Der letzte Tag in Sarajevo war angebrochen! Denn an diesem Montag würden wir nach Travnik aufbrechen, um dort eineinhalb Tage zu verbringen.
Vor der Busfahrt war ein Treffen mit dem Kardinal Sarajevos abgesprochen. Dafür sollten wir uns eigentlich um 8:30 Uhr zu ihm auf den Weg machen. Aber es kam anders, und um halb neun war Zeit in Ruhe die Koffer zu packen, denn dem Kardinal war etwas Wichtiges dazwischengekommen. Schade, denn ich habe schon oft gehört, dass er immer sehr interessiert an jungen Leuten ist und ein offenes Ohr für vieles hat. Nun ja, so konnten wir die Zeit ausgiebig und in aller Ruhe nutzen, sodass wir entspannt in den Bus stiegen und uns in der folgenden Stunde der Stadt Travnik näherten.
Auch dort stellte eine katholische Schule unsere Schlafräume, die wir nach dem Mittagessen bezogen, um dann für einen kleinen Stadtrundgang aufzubrechen. Lucija, die hier aufgewachsen war, kannte sich gut aus und zeigte uns die Gebäude, die den Charakter der Stadt bilden. Gegen Ende wurde ein sehr steiler und langer Aufstieg belohnt: Denn wir wanderten zu einer alten Burg und hatten so abschließend einen tollen Blick auf die Stadt.
Der für den späten Nachmittag geplante „ökologische Workshop“ konnte dann nicht international stattfinden: Die Gruppe aus dem Bistum Limburg brauchte noch Zeit, um den deutschen Abend vorzubereiten. Einen solchen Abend würde es auch am kommenden Tag geben. Für beide gab es keine richtigen Vorgaben. Einzig klar war, dass beide Abende mit dem jeweiligen Land und der jeweiligen Kultur zu tun haben müssen.
Da Lotte und ich keine „richtigen Deutschen“ waren, sammelten wir dann mit den Bosniern Steine auf und schmissen die in einen Container. Uns war gesagt worden, dass die Pastöre auf dem Gelände der Schule aus den Steinen ein neues Gebäude bauen werden. So machten wir dann eine Stunde lang Krach und schmissen Stein auf Stein.
Das Abendessen ging vorüber und der deutsche Abend begann! Während Lotte eine Ahnung vom Programm hatte, weil sie Gitarre spielen würde, wusste ich gar nichts. So war ich dann genauso gespannt wie die Bosnier.
„Wetten dass…“ prangte in großen Buchstaben an der Tafel des Klassenzimmers, in der der Abend stattfand. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Denn: nach dem Abendessen hatte ich eine Deutsche geschminkt und im Kleid durch die Schule laufen sehen. Als sie mich aus Versehen fragte, ob sie wie ein Model aussehen würde, wusste ich über ihre Rolle Bescheid.
So würde bei der Sonderausgabe von „Wetten dass“ also schon mal Heidi Klum zu Gast sein. Weitere geladene Personen waren Franzi van Almsik, Lukas Podolski, Angela Merkel, Thomas D von den Fantastischen 4 und Lotte mit ihrem Sonderact. Gastgeber waren Frank Elstner und Thomas Gottschalk; alle natürlich von den Deutschen gespielt.
Die Bosnier wurden auch einbezogen: Und zwar als Wettkandidaten. Und ich wurde das auch: Sofort bei der ersten Wette. Mit Borjan durfte ich versuchen, in einer Minute jeweils 20 Salzstangen zu essen. Mh, das war lecker! Nicht. Naja, so schlimm war es nicht. Aber während Borjan es packte, schaffte ich es leider ganz knapp nicht. Die anderen Wetten waren (auch) sehr kreativ: So mussten Lucija und Ivana in zwei Minuten eine sehr lange Reihe von Teelichtern auspusten. Das aber nicht mit ihren Mündern, sondern mit ihren Nasen. Wir konnten nicht mehr vor Lachen!
Und für die Fälle, dass die „Promis“ mit ihrer Wett-Voraussage falsch lagen, hatten sie sich auch Sachen einfallen lassen.
Alles in allem war das ein guter Abend gewesen! Die Deutschen hatten unser Heimatland auf eine sehr kreative, nicht langweilige Weise und mit viel Mühe und Einfallsreichtum dargestellt. Ich ziehe meinen imaginären Hut!

09.10.2011


Dieser Tag war ein toller gewesen!
Der erste Programmpunkt war ein Besuch und eine Führung in der alten orthodoxen Kirche. Ein unscheinbares, aber schönes und beeindruckendes Gebäude!
Ich konnte zwar nicht alle Witze und Sprüche des Pastors (ich bin mir nicht sicher, ob das die richtige Bezeichnung ist) verstehen, aber seine Art war sehr offen und hat mir sehr gut gefallen!
Die nächste Stunde wurde unser Wissen über Ikonen dann verdreifacht. Mindestens. Und das im gemeindeeigenen Museum. Dort hingen unzählige der bunten Bilder; alte Messgegenstände und antike Möbel wurden ausgestellt. Zu einigen Ikonen erzählte der Pastor uns Informationen und erklärte uns Vieles. Einiges davon war echt interessant!
Von der Antike der Ikonen und der Vergangenheit ging es dann zurück in die katholische Schule, um uns beim Mittagessen zu stärken.
Anschließend brach der zweite Programmpunkt an. Und der ist der Grund dafür, dass ich diesen Tag so toll fand.
Aufgeteilt in die zwei Gruppen machte die eine sich auf, ins Stadtzentrum zu laufen, meine startete damit,  den Berg, an dem die Schule liegt, weiter hoch zu laufen. Unser Ziel dort oben war Egipat, das Kinderheim, gewesen! Lottes Gruppe steuerte gleichzeitig die Behindertenschule.
So sollten wir beide den anderen jungen Leuten unsere Arbeit und das zeigen, was wir alltäglich mit den Kindern machen. Wir schleppten nicht nur uns, sondern auch drei, prall mit Süßigkeiten gefüllte Tüten den Berg hoch.
Als diese dann auf den Holztischen im großen Raum im Waisenhaus standen und die Kinder reinkamen, erwarteten wir, dass sie sich mehr oder weniger auf die süßen Köstlichkeiten stürzen würden. Doch sie wollten erste spielen! „Später, später vielleicht.“ Und sie zeigten gar kein Interesse, wollten wirklich einfach nur mit uns spielen. Davon ein wenig überrascht ließen wir uns dann die Spiele erklären. Eines davon war das, welches wir schon an Lottes Geburtstag gespielt hatten (alle stehen im Kreis, die Hände auf bzw. unter denen der Nachbarn. Es wurde ein Lied gesungen und im gleichen Takt dazu wurde eine Art Klatsch immer weitergegeben. Ist das Lied zu Ende und an die Runde an seinem letzten „Klatsch“ angekommen, versucht der vorletzte den letzten auf die Hand zu schlagen. Der Letzte wird dann versuchen, die Hand vorher wegzuziehen; denn schafft sie es nicht, ist sie ausgeschieden. Ausgeschieden ist demnach der vorletzte, wenn er es nicht schafft, die Hand des Nebenmannes zu treffen).
Für ein anderes Spiel, das wir mit den Kindern spielten, musste die Gruppe auch im Kreis stehen. Eine Person stand in der Mitte, zeigte auf einen-im-Kreis-Stehenden und sagte Befehle wie „Känguru“, „Vogel“, „Mixer“ oder „Elefant“ (es gibt noch einige weitere, die wir bei den Kindern aber nicht einbrachten). Für jeden dieser Befehle gibt es eine Art Standbild, das die Person im Kreis dann bilden muss. Bei allen werden auch die beiden Nachbarn der Person einbezogen; so steht die mittlere Person beim „Mixer“ zum Beispiel mit zur Seite erhobenen Hände und nach ausgestreckten Zeigefinger zwischen ihren beiden Nachbarn, die sich gleichzeitig um sich selbst drehen. Beim Elefanten bilden die Nachbarn die Ohren mit ihren Armen, die mittlere Person legt ihre Arme so, dass der allseits bekannte Elefantenrüssel entsteht. Nach dem gleichen Prinzip werden die anderen Standbilder gestellt. Ziel für den in der Mitte Stehenden ist es, dass die anderen im Kreis einen Fehler beim Bilden der Figuren machen, denn dadurch würde der in der Mitte in den Kreis wechseln können.
Es war ziemlich lustig und schön, das mit den Kindern zu spielen! Wie viele lustige Fehler passierten, einfach göttlich.
Im Laufe des Nachmittags spielten wir dann noch einiges anderes mit den Kindern.
Für mich waren die Stunden dort sehr wertvoll. Vormittags oder sonst vorher hatte ich nicht viel über den Stunden des Nachmittags nachgedacht. Als wir dann dort waren, kann man sagen, öffnete es mir das Herz. Erst einmal war es sehr schön gewesen, als die Kinder mich sahen, auf mich zu liefen, mich umarmten und küssten; wir hatten uns ja länger nicht mehr gesehen. Ihr Augen und der Rest ihrer Gesichter strahlten einfach nur.
Und das taten sie auch beim Spielen und als die Kinder Spaß mit den anderen Deutschen und Bosniern hatten. Man sah, dass es schön für sie war, neue Menschen kennenzulernen und Gutes mit ihnen zu erleben. Für sie eine Abwechslung vom Alltag. Besondere Brisanz bekommt das alles auch, wenn ich daran denke, was die Kinder schon erlebt haben oder erleben. Dass sie entweder keine Eltern mehr haben, oder aus Familien kommen, in denen sie Schlimmes oder zumindest nichts Schönes erlebt haben. In solchen Momenten, wenn ich also daran denke, freut es mich noch mehr, mit den Kindern schöne Momente zu erleben und sie voller Freude zu sehen.
Mir wurde echt bewusst, wie sehr ich die Kinder schon gewohnt war und wie sehr sie mir schon ans Herz gewachsen sind. Ich fühlte mich dabei und danach sehr gut.
Der Abend des Tages endete im Beisammensein mit den Mitarbeiterinnen des Jugendhauses. Sie und Simo waren in die katholische Schule gekommen, um mit uns Abendbrot zu essen, ein Mensch-Ärger-Dich-Turnier zu starten und abschließend nahm Simo an einer großen Austauschrunde teil.