Montag, 24. Oktober 2011

06.10.2011


Die letzten Reste und Kleinigkeiten wurden eingepackt, dann waren wir nach dem Frühstück bereit, um von Lucija abgeholt zu werden.
Dies geschah gegen 12 Uhr. Wir kletterten in den hellblauen Bulli, der von einem uns unbekannten jungen Mann gefahren wurde. Mario hieß er und konnte sehr gut Englisch und auch Deutsch sprechen.
Die deutsche Gruppe schien auf den ersten Blick sehr kunterbunt zu sein. Ich schoss Fotos, es wurden Schokobananen verteilt, einige umarmten sich, weil sie sich schon kannten.
Auch Lotte kannte schon ein Mädel; sie hatten sich auf dem ÖKT (ökumenischen Kirchentag) kennengelernt und erinnerten sich beide. Wie klein die Welt wirklich ist!
Am kath. Schulzentrum warteten die teilnehmenden bosnischen jungen Leute auf uns.
Nach der Zimmeraufteilung stand das Kennenlernen an. Und damit alle die Namen der anderen auf die Reihe kriegen, startete das Programm mit kleinen Aufwärm- und Namensspielchen. Eine Person startete, und sagte in Verbindung mit seinem Vornamen einen Gegenstand, der mit dem gleichen Buchstaben wie der Vorname anfing (Bei mir war da z.B. Lollipop). Dann suchte sich diese Person die nächste aus, und der musste dann die vorangegangenen Namen und dazugehörigen Begriffen aufsagen, bevor er seinen Namen hinzufügen konnte. Nach diesem Prinzip wurde das Spiel fortgesetzt.
Nach einem weiteren Spiel sollten dann die Regeln für die folgenden 10 Tage festgelegt werden. Dafür teilten wir uns in Gruppen ein, um die wichtigsten Themen abzudecken. Die anschließende Besprechung fand natürlich auf Englisch statt.
Gegen Ende der Runde stellte Lucija (sie ist ja unsere Ansprechperson und war auch bei den zehn  Tagen dabei) dann ein Spiel vor, das Lotte und mir schon von einem Vorbereitungsseminar bekannt war. Alle Namen waren auf kleine Zettel in Engelsform geschrieben worden, und von diesen musste jeder dann einen ziehen. In den nächsten Tagen würde man dann der Schutzengel für die gezogene Person sein. Das heißt, man tut dieser Person gute Dinge, zeigt, dass man sich für sie interessiert, schreibt nette Botschaften und ist halt einfach wie ein guter Engel. Damit die Botschaften garantiert bei der richtigen Person ankommen, bastelten wir später am Abend kleine Tüten, die wir an die Tür unseres Gruppenraumes hingen. So waren wir dann bereit, kleine Botschaften zu empfangen.
Ich hatte Aneta gezogen; ein bosnisches Mädel.
Das erste Mittagessen bekamen wir in den Essenräumen der Schule (sehr schöne Räume! Genau wie der Rest der Schule, die ein modernisiertes, echt schönes und ausgestattetes Gebäude ist). Anschließend ging es in die Stadt, wo Lucija die wichtigsten innerstädtischen Orte Sarajevos zeigte und erklärte.
Abends fanden wir uns in zwei Gruppen wieder und sollten durch die Innenstadt Sarajevos ziehen, um die ersten Eindrücke fotografisch festzuhalten. Für die fünf Fotos mussten wir uns dann jeweils einen uns wichtig erscheinenden Ort aussuchen und dafür sorgen, dass alle Gruppenmitglieder auf dem Foto abgebildet waren.
Abschluss fand der Tag im Brauhaus der Stadt. Dort trafen wir uns nach der Gruppenaufgabe und genossen das Sarajevsko Pivo. Beim Beisammensein hatte ich dann die Möglichkeit, einige der anderen jungen Leute ein wenig besser kennenzulernen.

Freitag, 21. Oktober 2011

05.10.2011 Mein erster Mitternachtskuchen stand an!


Glücklicherweise spielte Lotte am Abend des 04. mit und wanderte am Vorabend ihres Geburtstages gegen elf Uhr ins Bett, da sie müde war. Perfekt! Ich hätte mich natürlich gefreut, mit ihr rein zu feiern, aber so war die Situation sehr passend. Ich sagte ihr, ich wolle noch ein wenig Tagebuch schreiben. Fuhr also den Laptop hoch, schaute mir alle möglichen Bilder und schließlich das gespeicherte Kuchenrezept an, bis ich sicher war, dass sie eingeschlafen war. Es ging los. Die Zutaten hatte ich im Küchenschrank ganz unten versteckt, die Backutensilien kramte ich auch zusammen. Oh nein, ich hatte vollkommen vergessen, die am Nachmittag gekauften und im Schlafzimmer versteckten Zutaten in der Küche zu verstauen. Doch Lottes Schlaf war tief, und so schwang ich schon bald den Mixer. Mehl wurde abgewogen, Eier getrennt, Zitronenaroma nach Gefühl abgemessen, Milch erwärmt und, und, und. Gegen halb 2 war es vollbracht; der Kuchen war abgekühlt und ich gönnte mir endlich das Bett.
Dort blieb ich aber nicht lange, denn ich hatte vor, als Erste aufzustehen und alles vorzubereiten. Was ein schöner Frühstückstisch! Alles stand bereit und ich bat Lotte zu Tisch. Da guckte sie schon nicht schlecht. Einige Geschenke lagen zwischen den Lebensmitteln. Doch das Highlight war dann der Marmorkuchen. Die 1 und die 9 brannten wir geplant und auch Lottes Freude war wie erhofft groß. Damit hatte sie dann doch nicht gerechnet.
Die in glänzender Folie eingepackten Geschenke enthielten einige Überraschungen. Gitarrenutensilien, Denta-Stix (da sie seit unserer Ankunft den süßen Straßenhunden unseres Viertels etwas Gutes tun wollte)  Sauerkraut (eine Art Gag-Geschenk. Soll ihr symbolisch helfen, die sog. Sauerkrautzeit, die Deutsche bei einem langen Auslandsaufenthalt durchleben, zu überstehen. In dieser Zeit sieht man vieles der örtlichen Kultur als schlecht, und viel der eigenen Kultur als perfekt an) warteten auf Lotte.
Wir ließen uns das Frühstück schmecken und machten uns dann bald auf zum Jugendhaus. Ich konnte es kaum erwarten.
Lucija war wie zu erwarten eiskalt und fragte uns ab. Ob wir nicht in die kleine Küche gehen könnten,  fragte sie uns.
Dort saßen Mariana und Ivana, trällerten Happy Birthday auf Kroatisch und pusteten in kleine Trompeten aus Papier. Auf einer Sachertorte brannten kleine Kerzen.
Lottes Blick war göttlich. Sehr erstaunt, freudig und gleichzeitig ungläubig. Sie sagte die ganz Zeit „Oh, I hate you“, meinte es natürlich nicht so und freute sich ziemlich. Die Geschenke des Jugendhauses waren ein kroatisches Schlumpfbuch, ein T-Shirt und eine Spielesammlung. Von der Torte blieb dann ziemlich viel übrig, und so nahmen wir die Reste mit zum Waisenhaus.
Dort kamen wir pünktlich an, starteten, und alles lief, wie geplant. Die Torte stellten wir kalt, um sie dann nach allen Einheiten, kurz vor Feierabend herauszuholen und um mit den Kindern anzuschneiden. Wie sehr sich alle freuten! So bekam Lotte dann noch ein zweites kroatisches Geburtstagsständchen. Anschließend wollten die Kinder noch ein hier bekanntes Spiel spielen, wofür alle im Kreis stehen, die Hände auf die der Nachbarn legen. Es wird ein Lied gesungen und mit der rechten Hand wird der Reihe nach immer auf die Hand des Nachbarn geklatscht. Dieser „Klatscher“ wird also immer weitergegeben. So lang, bis das Lied zu Ende ist. Beim letzten Ton muss der Schlagende versuchen, die Hand des Nachbarn zu treffen. Dieser versucht dann natürlich, die eigene Hand wegzuziehen. Schafft er es nicht rechtzeitig, ist er ausgeschieden.
Ich muss sagen, das hat ziemlich Spaß gemacht mit den Kindern.
Nachdem die Torte dann vernichtet war, machten Lotte und ich uns wieder auf den Weg. Koffer packen stand an, denn am Donnerstag würde die deutsche Gruppe ankommen.

Sonntag, 16. Oktober 2011

04.10.2011

Wie jeden Morgen bereitete ich das Frühstück. Dabei offenbarte mir der Küchenschrank eine tolle Wahrheit: Auf seinem untersten Brett fristet eine Waage ihr Dasein! Die wird mir gleich beim Backen des Geburtstags-Kuchen helfen. 
Komischerweise war Lucija dann im Jugendhaus anwesend. Denn eigentlich war unser Plan gewesen, dass sie unser Treffen morgens absagt, weil sie leider „krank“ geworden ist. (Dazu muss  gesagt werde, dass Lotte morgen Geburtstag hat. Natürlich möchte Lucija ihr auch eine Freude machen uns sie Best möglichst überraschen. Dafür hat sie mich mit einbezogen und um meine Hilfe gebeten. Wichtig war es dann, dass Lotte und ich morgen am Mittwoch unter einem Vorwand ins Jugendhaus kommen, damit Lotte überrascht werden kann.)
So redeten wir wie jede Woche. Gegen Ende der Runde offenbarte sich dann der Plan: Da wir unsere zehn Wörter und fünf Verben nicht dabei hatten möchte sie uns morgen um neun im Jugendhaus sehen. Mit insgesamt 15 Wörtern und 10 Verben. Das war keine tolle Info für Lotte. Lucija setzte noch einen drauf und meinte, dass die Bosnier dem Geburtstag einfach nicht so viel Beachtung schenken und der für sie nicht wichtig ist. „But for me…“, so Lotte ganz traurig. Ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen und gelacht, aber das ging ja schlecht.
Wir bereiteten dann noch die erste Deutschstunde vor, die wir ja am Abend geben würden. Sanja hatte uns dafür eine Mail mit ihren Unterrichtsmaterialien geschickt. So konnten wir dann einen kleinen Test vorbereiten, der uns offenbaren soll, wie viel Deutsch die einzelnen Kinder schon beherrschen. Der Drucker und Kopierer unterstützten uns, und so hatten wir die 30 Exemplare bald in unseren Kladden.
Nach Feierabend auf dem Weg zu einem Café mit W-Lan kündigte meine Schulter sehr bald durch Schmerzen an, dass es sie auch ein Wörtchen mitzureden hat. Der auf Dauer nicht allzu leichte Laptop in meiner grünen Ampelmännchentasche schien ihr nicht zu gefallen. Aber das war mir egal. Denn grade erwähnter ermöglichte mir heute, meinen Freund  bei skype zu sehen J
Lotte ist dann bald in Richtung Dobrinja gefahren, um unter anderem schon einmal einzukaufen. Sehr gut! Denn so würde ich die restlichen Sachen für ihren Geburtstag kaufen können.
Ich besorgte eine Geburtstagskarte, zwei Kerzen (eine 1 und eine 9), Sahne und kurz vorm Bezahlen fielen mir „denta-stix“ für Hunde ins Auge. Die musste auch mit! Denn Lotte sagt schon die ganze Zeit, dass sie die den süßen Straßenhunden hier geben will.
In Dobrinja ging es dann noch in den dm. Hauptsächlich um die Geschenke einzupacken. Bei den Bio-Sachen fand ich dann aber noch Sauerkraut. Das würde das perfekte Gag-Geschenk sein! Damit Lotte die sog. Sauerkrautphase gut übersteht J (eine Phase, die Deutsche bei einem langen Auslandsaufenthalt oft durchmachen. Dann sieht man alles heimatliche als toll und gut, alles Fremde als eher schlecht an). Bezahlt, und dann zum Geschenkpapiertisch. Mann, war das peinlich! Die Frau wollte mir erst helfen, ich sagte „Ne, ne, hvala!“ Denn ich wollte die Sachen unbedingt selber einpacken. Wer würde schon verstehen, warum ich Sauerkraut, „denta-stix“ und Gitarren-Sachen einpacke? Echt peinlich war das. Aber das war es mir wert.
Zusammen ruhten wir uns dann noch aus, bis wir uns auf den Weg zur ersten Deutschkursstunde machten. Dafür trafen wir Lucija an einer Trolejbusstation.
Die Deutschstunde wurde dann ganz gut. Den Kurs halten wir  in einer kath. Gemeinde in Stub, einem nahegelegenen Stadtteil. Ziemlich viele Kinder! Sie kamen mir alle ganz nett und vor allem interessiert vor.
Für Lotte und mich war es schwer, zu entscheiden, was wir tun könnten. Doch Lucija stand uns bei Seite und den Großteil der ersten Stunde gestaltete sie. Ich glaube, der Kurs wird anstrengend, aber auch Spaß machen. Wir werden uns immer sehr gut vorbereiten müssen.
Abschluss war dann ein Spiel, welches Lucija kannte und mit den Kindern spielte. Sehr lustig ;-)
Später werde ich irgendwann Lottes Kuchen backen. Mal sehen, wie das wird. Ich hoffe, sie wird sich freuen :)

03.10.2011, über den 01., 02. und 03.10.2011



01.10.2011
An diesem Tag würden wir uns ja mit anderen Freiwilligen treffen. Lucija hatte auch etwas von anderen Deutschen erzählt. Also waren wir echt gespannt!
Von einer Bushaltestelle abgeholt, stiegen wird dann mit zwei Mitarbeiterinnen vor einem modernen Gebäude aus, über das ein Schild informierte, dass es mit Studenten zu tun hat.
Im Eingangsbereich standen viele Jugendliche wartend herum; hauptsächlich um einen Tisch, wo Namensschilder abgeholt werden konnten. Da wir die Wörter „andere deutsche Freiwillige“ noch im Hinterkopf hatten, hielten wir Ausschau. Doch bald merkten wir: hier sieht niemand wirklich deutsch aus.
In dem hallenartigen Raum des Gebäudes gab es Cocktailempfang. Wie wir dann herausfanden, war der Anlass dazu die Jubiläumsfeier der Freiwilligenorganisation „nakone“. Diese hat eine enge Verbundenheit mit einer schweizerischen Gemeinde inne, was heißt, dass im Sommer 4-wöchige Camps in Bosnien stattfinden. Dabei, so kann man sagen, wird das öffentliche Bild einer Stadt verschönert. Also werden zum Beispiel Parks farbig gestaltet, selbst gebaute, bunte Bänke werden dort aufgestellt, Kindergärten bzw. deren Wände werden bemalt. Dies sahen wir in einem Film über die Organisation. Denn nach dem Cocktailempfang waren wir in einen Saal (sehr modern und gut ausgestattet; einem Kinosaal ähnlich) geführt worden. Dort führten die Kinder und Jugendlichen des Vereins kleine Theaterstücke auf; manches verstanden wir oder konnten wir erahnen. Aber halt auch nur manches. Die einzigen Worte, die wir komplett verstanden, waren die eines Schweizers. Er hielt auf der Bühne eine kleine Rede und schien der schweizerische Partner der Organisation zu sein.
So gegen 13:45 Uhr ging es dann wieder raus an die frische Luft. Wir verabschiedeten uns und gestalteten den weiteren Tag in unserem Stadtviertel bzw. unserer Wohnung.
02.10.2011
An diesem Tag waren wir extrem fleißig! Und zwar, als ich anfing das Wohnzimmer aufzuräumen und zu putzen. Denn bald wurde auch Lotte aktiv; wir räumten unsere Sachen aus den Taschen und Koffern. Rein in den Schrank, die Koffer konnten verstaut werden. Insgesamt haben wir das Schlafzimmer total aufgeräumt, gesäubert und echt schön gestaltet.
Wir waren baff! Das Zimmer konnten wir nicht mehr wiedererkennen und das erste Mal war es möglich, durch den Raum hindurch zu laufen. Wir waren ein wenig stolz auf uns und freuten uns, ein Zimmer zu haben, den wir mit einigen persönlichen Gegenständen ausgeschmückt haben.
Dann war noch das Bad dran, und später haben wir uns richtig wohlgefühlt.
Gegen Abend besuchten wir dann wieder unser Stamm-Internetcafé.


03.10.2011
Heute ging es wie jeden Montag zu Egipat.
Leider nicht pünktlich, wie so oft in der letzten Zeit. Denn zwei Stationen vor Skenderija und circa fünf Stationen vor unserer letzten Station, fuhr der Trolejbus einfach nicht weiter. Wir blieben erst sitzen und warteten, dann machten wir es den anderen Leuten nach und stiegen aus. Sofort dachte ich „Oh nein, die Fahrer streiken schon wieder“, und wir stellten uns schon einmal auf eine Taxifahrt ein. Auf dem Fußweg zu Skenderija überhole uns dann aber der Bus. Das hieß: Zu Egipat würden wir auch im Bus kommen können.
Das Besondere heute war, das wir zum ersten Mal mehr auf Kroatisch redeten, als sonst. Das taten wir vor allem, als die letzten beiden Kinder fertig waren. Sie hatten wohl bemerkt, dass wir ein paar Sätze können und so fingen sie an, uns auszufragen. Unsere Aussprache schienen sie wohl ganz lustig und süß zu finden. Wir verstanden dann doch mehr als gedacht, und es hat echt Spaß gemacht, uns ein wenig mit den Kindern unterhalten zu können und vor allem ihnen zu zeigen, dass wir ein ganz klein bisschen, also echt wenig, ihrer Muttersprache beherrschen. Etwas sehr Schönes war das heute.
Später dann der wöchentliche Sprachkurs. Wenn unsere Lehrerin uns Fragen stellt oder längere Sätze zu uns spricht, habe ich oft Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Also die Wörter zu erkennen und dann der richtigen deutschen Übersetzung zuzuweisen.

30.09.2011, ueber den 28. und 29. und 30.09.2011



28.09.2011
 
Ausnahmsweise am Mittwoch stand die Gesprächsrunde mit Lucija an. Die Busfahrer und die Regierung waren wohl immer noch nicht auf einen Nenner gekommen, denn auch an diesem Morgen warteten wir vergeblich an der Haltestelle. Wir hielten schon Ausschau nach einem Taxi, als an der Station ein Combi hielt. Der Fahrer unterhielt sich durchs Fenster mit einer nett aussehenden Frau. Diese fragte Lotte und mich dann auf Englisch, wo wir hinmüssen. Otoka (der Stadtteil des Jugendzentrums) wäre kein Problem! Wir überlegten, denn es ist ja nicht immer eine gute Idee zu fremden Leuten ins Auto zu steigen. Aber hier ist das Einsteigen zu Fremden in ihr Auto einfach gängiger und wir wohnen jetzt nun mal hier. Vergleichend ist ein Taxifahrer natürlich seriöser, bleibt aber auch ein Fremder. Also hinten auf die Sitze niedergelassen, und schon ging die Fahrt los. Zufällig sind wir dann direkt am Jugendhaus vorbeigefahren. Wir riefen „Stop, stop“, wollten das vorher rausgesuchte Geld nach vorne geben, doch der Mann lehnte dankend ab. Das hat mich überrascht.
Wir redeten mit Lucija über die Woche, wie es uns geht, was uns schwer fällt usw.
Anschließend sind wir zur Tramstation Otokas gelaufen, denn Lucija hatte gesagt, dass dort ein Bus in Richtung Innenstadt fahren würde. Natürlich war der mehr als überfüllt – die Türen gingen gar nicht mehr zu. Das hieß dann für uns: Wieder rein in ein Taxi. Abgesetzt im Stadtteil Skenderija haben Lotte und ich den anschließenden Weg zum Waisenhaus  Egipat zu Fuß zurückgelegt.
Dort ging es zunächst für kurze Zeit im oberen Raum kurzzeitig zu zweit weiter – Lotte half einem Mädchen mit Deutsch; bei mir saß die Nonne, die gerne ihr Deutsch vertiefen möchte. Doch bald merkten wir, dass das keinen Sinn machte, denn an dem kleinen Tisch wurde es einfach zu laut und keiner konnte sich konzentrieren. Deshalb setzten die Schwester und ich die Einheit in einem anderen Raum fort. Es war ganz gut, allerdings auch anstrengend, weil ich nicht richtig wusste, wie ich die Regeln und all das erklären sollte. Vor allem beim Übersetzen half größtenteils das Wörterbuch.
Mit leicht rauchendem Kopf ging es dann wieder hinauf, einem 6-jährigen Mädchen wie jede Woche helfen. Sie ist echt süß; ihre braunen Augen sind einfach riesig und sie hat einfach so ein schönes Kindergesicht. Sie zu motivieren fällt mir oft nicht schwer. Und mit Lotte und „ihrem Schützling“ konnten wir des Öfteren beherzt lachen.
Nach dieser Einheit gab es Essen – K Ö S T L I C H ! ! !
Danach kamen dann ein Junge und ein Mädchen. Beide total gegensätzlich. Er kann Englisch gut, gibt sich immer Mühe und ihm macht es auch Spaß, während letztere eher unmotiviert ist, nach kurzer Zeit keine Lust mehr hat. Allerdings war es mit beiden dann viel besser als gedacht.
Nach zwei folgenden Einheiten, so gegen viertel vor fünf, waren wir fertig, suchten die Hauptstraße nach einem kostengünstigen Taxi ab und ließen den Abend nach dem Einkaufen in unserem Wohnzimmer ausklingen.
Bei erwähntem Ausklingen überbrachte uns die Erzieherin der Behindertenschule die Info, dass wir am kommenden Tag frei hätten, da der Streik immer noch im Gange sei.

29.09.2011
FREI! Also geschlafen bis in die Puppen. Naja, bis viertel nach neun. Beim Aufstehen fühlte ich mich überhaupt nicht gut – mein Schnupfen hatte sich verschlimmert, dazu kamen auch noch Halsschmerzen.
Am späten Nachmittag machten wir uns fertig, denn es sollte in die Stadt ins Internetcafé gehen. Ursprünglich hatte ich vor, die Stecke zu Fuß zu gehen und hatte gute zwei Stunden eingeplant. Voller Tatendrang spazierten wir dann durch ein uns bis dahin unbekanntes, sehr schönes Wohngebiet. Bis wir dann wieder auf die Straße trafen. Und was sahen wir? Einen Trolejbus! Bisher immer beäugt als die aus der Schweiz importierten, langsamen, veralteten, leicht heruntergekommenen Busse, entdeckte ich ihren Wert völlig neu! Also hinein und in Richtung Stadtmitte

30.09.2011
Heute Morgen standen Lotte und ich wieder getrennt auf – zwei Stunden länger schlafen hieß das wieder für mich. Nach dem Aufstehen und Frühstücken besuchte ich den „Hipermarket“ des Mercators unseres Wohngebietes. Denn Lotte hat ja am 05. Oktober Geburtstag, und diesen Tag möchte ich ihr mit einem Marmorkuchen versüßen. Die fehlenden Kuchenzutaten fand ich nahezu ohne die Unterstützung meines Wörterbuches problemlos. Anschließend trat auch ich den Weg zur Schule an. Ich fühlte mich echt nicht gut. Eine laufende Nase, Kopf – und Halsschmerzen.
Im Spieleraum lief es dann wie jeden Morgen ab. Wachsam sein, damit wir die Erzieherinnen unterstützen können gucken, dann und wann mit den Kindern puzzeln oder malen. Zur Feier des Tages durfte ich ein Eichhörnchen für Marijanas Projekt (das Zimmer herbstlich gestalten) malen. Die Kinder waren begeistert, was sehr süß war.
Nach dem Essen sollte ich mich nur noch kurz mit dem großen Mädchen an einen Tisch setzen, denn sie würde eher als sonst abgeholt werden.
Als Lotte sich verabschiedete, ging es wieder in die Sporthalle. Da ich krankheitsbedingt nicht mitspielen konnte, schaute ich, dass sich die Kleineren nicht verletzten und half ihnen dann und wann. Das war ganz schön und wir lachten viel.
Da Lotte nach Feierabend ja nicht in meiner Nähe war, konnte ich den Gitarrenladen am Fluss der Stadt suchen, den ich vom Sehen kannte. Der Verkäufer konnte zum Glück Englisch, und ich entschied mich dann für vier dieser Plättchen, sowie einen Halter dafür und dieses Ding, was das Spielen erleichtert (Hiermit entschuldige ich mich bei allen Gitarren-Experten: ich habe keine Ahnung von den Fachausdrücken ;-) )
Dann konnte ich mich auf den Weg zu Lotte machen. Wir aßen einen echt leckeren Burger bzw. Sandwich, und stiegen in den Bus, der uns in Richtung Schule fahren sollte. Denn heute sollte ja der Sprachunterricht stattfinden (Sanja hatte ihn am Donnerstag verschoben).
Nach den 45 Minuten sind wir wie immer nach Hause gefahren. Morgen werden wir uns mit anderen Freiwilligen treffen. Was genau wir tun und was uns erwartet, das wissen wir noch nicht.